Ausblick für den europäischen Photovoltaikmarkt im zweiten Halbjahr 2023
Im Jahr 2022 wurden die traditionelle Energieversorgung und die Preise in Europa durch den Krieg zwischen der Ukraine und Russland beeinträchtigt. Dies veranlasste die Europäische Union, den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen und Fördermaßnahmen zur Erweiterung des Photovoltaik-Strommarktes (PV) umzusetzen. Die EU kündigte zudem Pläne an, bis 2025 bzw. 2030 eine kumulierte PV-Installationsleistung von 320 GW bzw. 600 GW zu erreichen und den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf 45 % zu erhöhen.
Der beschleunigte Ausbau der Photovoltaik in Europa hatte anfänglich positive Markterwartungen für das laufende Jahr geweckt. Trotz der traditionell schwachen PV-Saison im ersten Quartal entwickelte sich der Markt besser als erwartet. Von Januar bis Juni importierte Europa kumulativ Komponenten mit einer Leistung von 62,4 GW aus China. Allerdings zeigte das Wachstum im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr Anzeichen einer Verlangsamung, sodass erwartet wird, dass die Gesamtexporte von PV-Komponenten aus China nach Europa im dritten Quartal auf dem Niveau des ersten Quartals bleiben oder leicht steigen werden.
Die optimistische Stimmung am europäischen Markt im vergangenen Jahr, gepaart mit den jüngsten Strompreisrückgängen in Europa, führte zu Überbeständen bei den Netzbetreibern. Der Markt ging allgemein davon aus, dass das Photovoltaik-Installationsvolumen in Europa in diesem Jahr bei rund 60–70 GW liegen wird. Unter Berücksichtigung der Lagerbestände schätzte InfoLink den Komponentenbedarf konservativ auf bis zu 92 GW, wobei eine optimistische Schätzung 114 GW erreichte.
Aufgrund der unerwartet hohen Nachfrage nach Photovoltaikanlagen auf dem europäischen Markt im ersten Halbjahr und der durch Arbeitskräftemangel bedingten geringeren Installationsgeschwindigkeit blieb die Installationsgeschwindigkeit hinter der Nachfrage zurück, was letztendlich zu Überbeständen führte. Hinzu kommt, dass das zweite Quartal, das eigentlich die Hauptsaison darstellen sollte, nicht an die Leistung des ersten Quartals anknüpfen konnte, was insgesamt zu einem begrenzten Nachfragewachstum in Europa in diesem Jahr führte. Die Fördermaßnahmen der EU und verschiedener europäischer Länder zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Stromverbrauch und des Installationsvolumens von Photovoltaikanlagen deuten jedoch auf eine starke langfristige Nachfrage nach Energiewende in Europa hin. Laut einer Analyse von InfoLink wird die langfristige Photovoltaiknachfrage in Europa voraussichtlich jährlich um 20–30 % wachsen.
InfoLink stellte fest, dass die Nachfrage in Europa in diesem Jahr aufgrund von Überbeständen begrenzt ist. Die Nachfrage auf dem chinesischen Markt hat sich nicht wesentlich verbessert. Die Zolldaten des ersten Halbjahres zeigen zwar ein deutliches Wachstum der Exporte von PV-Komponenten aus China nach Europa, jedoch hat sich dieses im Vergleich zum ersten Quartal verlangsamt. Obwohl die EU im März dieses Jahres den Netto-Null-Industrie-Act vorschlug, der vorschreibt, dass mindestens 40 % der Netto-Null-Technologien in der EU lokal in Europa hergestellt werden müssen, macht Chinas Dominanz auf dem Weltmarkt mit einem Marktanteil von über 80 % bei verschiedenen PV-Prozessen, die ausgereifte PV-Technologie und die vergleichsweise niedrigen Kosten es unwahrscheinlich, dass sich die EU kurzfristig vollständig von der chinesischen Lieferkette abkoppeln kann, um das Ziel von 600 GW bis 2030 zu erreichen.
Betrachtet man den globalen PV-Markt im Jahr 2023 umfassend, so kann der Rückgang der Lieferkettenpreise zwar die Nachfrage ankurbeln, doch sollten die durch den starken Warenimport des Vorjahres verursachten Lagerengpässe weiterhin beachtet werden. Zudem könnte die gesamte Lieferkette kurzfristig mit vorübergehenden Überkapazitäten konfrontiert sein. Der globale Trend zur Energiewende hin zu erneuerbaren Energien ist jedoch etabliert. InfoLink schätzt konservativ, dass die weltweite PV-Nachfrage in diesem Jahr um 38 % auf 390 GW steigen könnte. Sollten sich Probleme wie Lagerbestände auf ausländischen Märkten, die Überprüfung der chinesischen Landnutzungsbestimmungen und die Netzintegration lösen, könnte die globale Nachfrage potenziell 455 GW erreichen. Die steigende jährliche Produktionskapazität verschiedener PV-Prozesse in China könnte zudem zu sinkenden Komponentenpreisen und einer stimulierenden Endnachfrage führen, was auf eine langfristige Nachfrage im PV-Markt hindeutet. Sollte die EU weiterhin Fördermaßnahmen zur Entwicklung der PV-Technologie umsetzen, dürfte die langfristige Nachfrage auch in Zukunft weiter wachsen.
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