Der Solarenergie-Boom in Mitteleuropa: Ein Modell für Transformationswirtschaften
Aktuelle Analysen belegen eine außergewöhnliche Beschleunigung des Solarenergieausbaus in vier mitteleuropäischen Ländern. Zwischen 2019 und 2024 haben Tschechien, Ungarn, Polen und die Slowakei ihre Solarstromerzeugung zusammen fast versechsfacht und damit das durchschnittliche Wachstum der Europäischen Union deutlich übertroffen.

Die gesamte Solarstromerzeugung dieser Länder stieg in diesem Fünfjahreszeitraum von 5 TWh auf 29 TWh. Diese Wachstumsrate verdoppelt das Gesamtwachstum in der EU, wo die Solarstromerzeugung um das 2,5-Fache von 125 TWh auf 308 TWh zunahm.
Die Fortschritte variieren jedoch innerhalb der Region erheblich. Polen führt nun bei der installierten Leistung mit über 23 GW, die durch mehr als 1,5 Millionen Prosumer-Anlagen unterstützt wird. Ungarn erlebte den dramatischsten Wandel: Der Anteil der Solarenergie am Strommix stieg von 4 % auf fast 25 %. Tschechien verdoppelte seine Solarstromproduktion nahezu, während die Slowakei aufgrund politischer Herausforderungen und Netzanschlussbarrieren ein langsameres Wachstum verzeichnete.

Dieser Ausbau der Solarenergie fällt mit entschlossenen Bemühungen zur Reduzierung der Kohleabhängigkeit zusammen. Ungarn hat seinen Kohleanteil halbiert, die Slowakei hat ihr letztes reines Kohlekraftwerk stillgelegt, Tschechien hat seinen Kohleausstieg beschleunigt, und Polen hat einen historischen Punkt erreicht, an dem die Erzeugung erneuerbarer Energien die Kohleverstromung überholt hat.
Trotz dieser Erfolge weisen Analysten auf mögliche Herausforderungen hin. Alle vier Länder prognostizieren für 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien unter dem EU-Durchschnitt von 66 %, wobei die Schätzungen zwischen 26 % in der Slowakei und 51 % in Polen liegen. Darüber hinaus hat die Region deutlich zu wenig in Batteriespeicherinfrastruktur investiert und lediglich 0,1 GW an Großbatterien installiert – weniger als 2 % der Gesamtkapazität der EU.

Branchenbeobachter sehen in den Erfahrungen Mitteleuropas eine wertvolle Vorlage für kohleabhängige Volkswirtschaften weltweit. Das bemerkenswerte Wachstum der Solarenergie beweist, dass eine rasche Energiewende möglich ist, doch um diese Dynamik aufrechtzuerhalten, bedarf es eines verstärkten politischen Engagements, verbesserter Speicherlösungen und ambitionierterer langfristiger Ziele.
Die Erfolgsgeschichte der Region unterstreicht das Potenzial von Schwellenländern, traditionelle Energiepfade zu überspringen, vorausgesetzt, sie setzen unterstützende Maßnahmen um und investieren in die Flexibilität des Stromnetzes, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu ergänzen.
Quelle: Analyse basierend auf aktuellen Energiemarktberichten und Branchenzahlen.
